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Liebe
IAIDOKAI-Mitglieder,
beim japanischen Wort ZEN denkt man in erster Linie immer an den
ZEN-Buddhismus, die
japanische Entwicklungsform des ursprünglich indischen Buddhismus.
Dennoch darf ZEN
nicht unbedingt nur als Religion verstanden werden, sondern vielmehr
als eine Art Lebens-
einstellung zu Menschen, Dingen und Handlungsweisen. Auch »Bushidô«
- der Ehrenkodex der Samurai - war sehr durch die Philosophie des
ZEN beeinflußt. Die Samurai kultivierten verschiedene Künste
unter den im ZEN herrschenden Gesichtspunkten. Es gibt mehrere
Möglichkeiten zur Ausübung und Praxis des ZEN.
» Wenn Ihr versteht, dass Zazen das große Tor des Gesetzes
ist, werdet
Ihr dem Drachen ähnlich sein, der durch das Wasser geht
und dem Tiger, der seine tiefen Wälder wiederfindet. «
Meister Dogen Zenji (1200 - 1253)
Begründer des Soto-Zen
ZAZEN ... Ausgeglichenheit
von Körper und Geist
Das Geheimnis des ZEN ist »sitzen« - einfach nur dies,
in einer Haltung tiefer Konzentra-
tion, ohne Zielvorstellung, ohne Profitstreben. Man spricht hier
von ZAZEN. Übersetzt man
ZAZEN, so bedeutet es »Sitzen« (za) im ausgeglichenen
Zustand von Körper und Geist
(zen), oder auch »Sitzen in der Wirklichkeit/Wahrheit«.
Der wahrscheinlich erste Mensch,
der Zazen praktizierte, war Siddharta Gautama, alias Buddha. Aufgrund
der Erfahrung, die
er in ZAZEN machte, entstand später seine Lehre - der Buddhismus.
MUSHIN ... reagieren ohne nachzudenken
Untrennbar verbunden mit dem ZAZEN ist der Begriff des MUSHIN. Er
wird mit »nicht den-
ken, unbewußt« übersetzt. Taisen Deshimaru-rôshi
hat es einmal so formuliert:
»Wenn ich über alles, was ich tun muß, nachdenke,
wird ein wirksames Handeln unmöglich.
Daher ist es nötig MUSHIN zu sein, damit der Körper ohne
Denken reagiert. Dies ist der
Grund, weshalb die Praxis des ZAZEN sich für die Kampfkünste
als so wirksam erweist.
Wenn man zuviel denkt, wird der Gegner schneller sein.«
UGOKIZEN ... Zen in der Bewegung
Wir können auch das Iaido als eine Art »Zen in der Bewegung«
bezeichnen. Das sogenann-
te UGOKIZEN. Ihr wißt durch Eure Iaido-Erfahrung, dass man
ab einem bestimmten Punkt
über das Erlernen elementarer Iai-Techniken hinauswächst
und der mentalen Komponente
in unserer Kampfkunstdisziplin eine immer höhere Bedeutung
zukommt. In unserem Bestre-
ben, uns außerhalb des Iaido mit weiteren japanischen Künsten,
Philosophien, Traditionen
und Lehren zu beschäftigen, möchte ich deshalb gemeinsam
mit Euch einen kleinen Einblick
in die »Welt des ZEN« erlangen.
Abermals ein Event-Highlight im IAIDOKAI
»Das Geheimnis des ZEN« ... unter diesem Titel sollte
an zwei aufeinanderfolgenden Freita-
gen im Februar ein weiteres interessantes IAIDOKAI-Event stattfinden.
Wir nahmen Kontakt
zu Florent Martinez auf. Er leitet seit 1998 das ZEN-Dôjô
in Offenburg.
Einführung in ZAZEN
Am Freitag, den 17.02.2006 trafen wir uns im ZEN-Dôjô
zur Einführung in ZAZEN, die Sitz-
meditation des ZEN-Buddhismus. Wir wurden herzlich empfangen. Es
folgte eine 20-minüti-
ge Beschreibung der Rituale des ZAZEN. Hierzu gehörte das korrekte
Betreten des Dôjô,
das Grußritual vor dem Buddha-Altar, das Positionieren des
Zafu (Meditationskissen) auf
dem Zafuton (Sitzunterlage), die Einnahme der richtigen Sitzposition
(Lotus/Halblotussitz),
sowie Hinweise zu Atmung, Augenhaltung und Konzentration. Florent
erklärte uns den wei-
teren Ablauf:
30 Minuten ZAZEN - 5
Minuten KINHIN (konzentriertes
Gehen) - abermals
30 Minuten ZAZEN - anschließendes
MONDO (Frage &
Antwort). Wir betraten absolutes
»Neuland«. Dennoch waren unsere Vorstellungen im Vorfeld
der Einführung bereits so kon-
kret, dass wir einen sehr positiven Eindruck unserer ersten ZAZEN-Praxis
mit nach Hause
nehmen konnten.
Die Einweihung des ZEN-Dôjô
Offenburg am 24. Februar 2006
Mit einer gewissen elementaren Kenntnis über die Praxis des
ZAZEN konnten wir bereits ei-
ne Woche später an der offiziellen Einweihungsfeier des ZEN-Dôjô
teilnehmen. Seit Oktober
2005 findet die ZAZEN-Praxis in den Räumlichkeiten des SHAKTI-Zentrums
in der Grimmels-
hausenstrasse 23 in Offenburg statt. Die Einweihung sollte durch
ZEN-Meister Olivier Rei-
gen Wang-Genh stattfinden. Er leitet das ZEN-Zentrum Straßburg
und verbreitet seit Jah-
ren durch Vorträge und Sesshins die Unterweisung des Zen in
Europa. Seit 1999 konzen-
triert er sich auf den Aufbau des Tempels »Kosanryûmonji«
in Weiterswiller/Frankreich, in
dem er auch lebt.

Kosanryûmonji
... Drachenpforte auf dem alten Berg
Der im Naturpark Nordvogesen liegende Tempel »Kosanryûmonji«
wurde im April 1999 von
der elsässischen und der grenznahen süddeutschen Sangha
(religiöse Gemeinschaft) ge-
gründet. Die Umgebung bietet durch den direkten Kontakt mit
der Natur und den Jahres-
zeiten, der Stille und der ruhigen Nachbarschaft sehr gute Bedingungen
für die Praxis, die
den Regeln der Soto-Zen-Tradition folgt.
Fünfzehn Mönche und Nonnen leben dauerhaft im Tempel und
praktizieren unter der Leitung
von Meister Reigen Wang-Genh. Der tägliche Rhythmus entspricht
dem eines traditionellen
Zen-Tempels: früh morgens und abends ZAZEN
und Zeremonie, am Vormittag und Nachmit-
tag SAMU (gemeinschaftliches
Arbeiten), Mahlzeiten aus den traditionellen Oryoki-Schalen,
in Stille eingenommen. Bestimmte Zeiten sind dem Studium, Vorträgen
und TEISHO (Vorträ-
ge über das Dharma), dem Kesa-Nähen (Mönchsgewand)
und natürlich auch dem DOKUSAN
(persönliches Gespräch) und dem MONDO
(Frage & Antwort) vorbehalten.
Buddhistische Einweihungszeremonie
Ab 19.00 Uhr trafen alle Gäste im SHAKTI-Zentrum ein. Die Veranstaltung
begann mit ge-
meinsamem ZAZEN für 30 Minuten. Anschließend folgte TEISHO,
ein Lehrvortrag von Olivier
Reigen Wang-Genh über Entstehung, Verbreitung und Zielvorstellungen
des Buddhismus.
Die nachfolgende Einweihung des Dôjô erfolgte nach buddhistischem
Ritus. Der Meister
wünschte Glück für diesen »Ort der Wegausübung«
und für alle die sich hier zur gemein-
samen Praxis des ZAZEN einfinden. Zum Ausklang des Abends gab es
beim Umtrunk vieler-
lei Themen zur Entstehung des ZEN-Dôjô in Offenburg
und zur Entstehungsgeschichte un-
seres IAIDOKAI.
Domo
arigatô gozaimasu ...
...
unser Dank gilt Florent, Eva und allen anderen Mitgliedern des ZEN-Dôjô
für den herzli-
chen Empfang, die Einführung in die Praxis
des ZAZEN und für die Möglichkeit zur Teilnah-
me an den Einweihungsfeierlichkeiten. Wir wünschen Euch alles
Gute in den neuen Räumen
und sind sicher, dass wir gerne wieder zum gemeinsamen ZAZEN in
Euer Dôjô kommen wer-
den.
MUKINSHORI
& der kleine Event-Planer

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ABB-Pressebericht zur Einweihung des ZEN-Dôjô Offenburg
(28. Februar 2006)

Menschen kommen aus dem gesamten Kreis
Dojo für Zen-Buddhisten in Offenburg wurde seiner Bestimmung
übergeben
Offenburg
(rob). Die Ortenau hat einen Zen-Dojo, eine geweihte Stätte,
an dem Ortenauer Anhänger des Zen-Buddhismus gemeinsam »Za-
zen« praktizieren.
Geweiht wurde der Dojo von dem Straßburger Zen-Mönch
Olivier Reigen Wang-Genh, der seine Mönchsordination von dem
japanischen Zen-Meister Taisen Deshimaru erhielt. Deshimaru kam
1967 von Japan nach Frankreich und verbreitete in Europa die Zen-Lehre
nach der so genannten Soto-Tradition, einer von zahlreichen Zen-Traditionen.
»Dojo« ist japanisch und bedeutet »der Ort, an
dem der Weg
praktiziert wird«. Für Zen ist »der Weg«
vor allem die Übung des »Zazen«, wie Reigen Wang-Genh
in seiner Ansprache zur Einweihung er-
klärte: Man sitzt im Lotossitz in gerader Haltung, die Linke
ruht in der Handfläche der Rechten, die Daumen berühren
sich leicht. Der Blick
geht auf nichts Bestimmtes. Aufmerksamkeit auf Haltung und Atmung
soll den unaufhörlichen Fluss der Gedanken auflösen -
und so soll auch
Buddha - zu deutsch: »Der Erwachte«, vor 2500 Jahren
unter einem Baum gesessen haben, als er erleuchtet wurde.
Zen sei keine Philosophie, kein Prinzip, keine Theorie, wie Reigen
Wang-Genh erläutert, auch kein Wissen, das man mit dem Verstand
erfas-
sen könne. Man mache beim Zazen die Erfahrung, dass das, was
man im Westen »Ego« nenne, unbedeutend sei. Zazen vermittle
zum einen,
dass nichts beständig sei. Geboren werden, wachsen, sterben
sei eine Realität der Existenz. »Wir verändern uns,
der Mensch, der wir heute
Morgen waren, ist nicht identisch mit dem, der wir heute Abend sind.«
Die zweite Erkenntnis sei die wechselseitige Abhängigkeit.
Um die
Blumen auf den kleinen Altar des Dojo zu stellen, habe es des Samens
bedurft, der Erde, des Wassers, des Lichts, der pflegenden Hand
des
Gärtners, der Vase, des Raumes und tausender anderer Abhängigkeiten.
»Dieses Ding, unser Körper, existiert nur in wechselseitiger
Abhän-
gigkeit.« Dies alles sei intellektuell leicht zu akzeptieren,
der intellektuelle Verstand sei jedoch nur ein kleiner Teil des
Potenzials des
menschlichen Geistes. Diese beiden Dinge seien das, was man im Zazen
erfahren könne.
Der Zen-Dojo Offenburg ist Untermieter. Er befindet sich im Shakti-Zentrum
für Yoga in der Grimmelshausenstraße 23. Dreimal in der
Woche
gibt es dort die Möglichkeit, Zazen zu praktizieren. Eine Zazen-Gruppe
existiert schon seit 1999 in Offenburg. Sie wurde gegründet
von Flo-
rent Hogen Martinez aus Kehl, seit 15 Jahren Zen-Mönch. Seit
Beginn des Jahres hat die Gruppe nun einen Verein gegründet.
»Damit wir uns
auch rechtlich in einem verbindlichen Raum bewegen.« Der Dojo
ist ausgestattet mit einem kleinen rollbaren Altar, auf dem eine
Buddha-
Statue im Lotossitz steht, dazu Blumen sowie eine Schale, um Räucherwerk
abzubrennen, was die Atmosphäre reinigen soll. Eingeweiht wur-
de der Dojo mit dem Singen eines Mantras, einem skandierten traditionellen
Text, der gute Wünsche vereinigen soll. Im Dojo Offenburg tref-
fen sich informell und nach Wunsch bis zu 15 Zen-Anhänger aus
Achern, Kehl, Lahr und Offenburg. Voraussetzungen, so Hogen Martinez,
gebe es nicht: »Unterschiede sind unbedeutend.« Wer
will, dem werde die Haltung gezeigt und die Hintergründe erläutert.
Zen-Dojos gibt es
auch in Freiburg und Karlsruhe, in Straßburg gibt es ein »Centre
Zen«. In Weiterswiller bei Bouxwiller nördlich von Straßburg
steht der von
Meister Deshimaru gegründete Zen-Tempel Ryumonji, wo 15 Mönche
und Nonnen dauerhaft leben. Informationen über den Zen-Dojo
Offen-
burg: Telefon (07851) 422316.
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