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Japanische Farbholzschnitte (Erläuterungen
von Wolfgang Schindel zu seiner Ausstellung)
Wenn man sich mit japanischen Holzschnitten beschäftigt, muss man
einen kleinen Abstecher in die Geschichte des Landes machen.
Japan war im 16. Jahrhundert ein zerrissenes Land mit fortwährenden
Bürgerkriegen und internen Machtkämpfen verfeindeter Adels-
Cliquen. Aus diesen Kämpfen ging Fürst Tokugawa Ieyasu als Sieger
hervor und wurde vom Kaiser als Shogun eingesetzt, dem eigent-
lichen Herrscher Japans. Dessen Verwaltungsapparat brachte für Japan
die nächsten 200 Jahre Ruhe, aber auch für seine Bewohner
weitreichende Einschränkungen. So konnte kein Japaner sein Land verlassen
und nur ganz wenige handverlesene Europäer (meistens
Holländer) das Land betreten.
Das Volk wurde in vier Klassen eingeteilt: an oberster Stelle standen
der Hof- und Schwertadel, an zweiter die Bauern als Produzenten
der Volksnahrung - in Wirklichkeit waren sie aber die Vertreter der ärmsten
Klasse. An dritter die Handwerker, zu denen auch die Künst-
ler zählten, an vierter Stelle die Kaufleute, welche nur geringes
soziales Ansehen genossen, aber infolge ihres wirtschaftlichen Auf-
stiegs der Bedeutung nach an erster Stelle hätten stehen müssen.
Handwerker und Kaufleute fasste man auch als »Städter«
zu einer
Gruppe zusammen. Sie waren die wichtigsten Träger der neu aufblühenden
Stadtkultur. Schauspieler und Kurtisanen standen außer-
halb der Klassenordnung, errangen aber im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts
durch ihre künstlerischen Leistungen hohe Anerkennung.
In diese Zeit fällt die Entstehung der Ukiyo-e, »Bilder von
der flüchtigen Welt«, was sowohl eine Kunstrichtung, als auch
eine Lebens-
haltung bezeichnet. Diese »Bilder von der flüchtigen Welt«
entstanden vor allem in der Technik des Holzschnittes. Bevorzugte Motive
waren Szenen aus der Welt der Kurtisanen und des Kabuki-Theaters sowie
Landschaftsdarstellungen und Geschichten aus der Sagen-
mythologie.
Katsushika HOKUSAI (1760 - 1849)

Der
wohl bekannteste japanische Farbholzschnitt ...
»Die grosse Welle von Kanagawa«
Beeinflussung
europäischer Künstler
Mit Öffnung Japans Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese Bilder
in Europa bekannt und hatten wegen ihrer eigenen Ästhetik weit-
reichenden Einfluss auf Stil- und Kunstrichtungen hierzulande. So haben
sie den Jugendstil und Art Deco inspiriert und Künstler von van
Gogh bis Klimt beeinflusst. Einige nahmen auch die Reise nach Japan auf
sich und widmeten sich dort der Technik des Holzschnittes.
Aber auch andere Europäer haben die Schönheit dieser Holzschnitte
erkannt und sie zu Sammlungen zusammen getragen.
Es fällt uns heute erheblich schwerer, die neue Ästhetik in
den japanischen Vorbildern zu entdecken, da vieles von dem, was damals
als noch nie da gewesen empfunden wurde, heute längst Bestandteil
der modernen Kunst geworden ist. Die japanischen Farbholz-
schnitte benutzen in der Regel nicht die europäische Zentralperspektive
sondern lösen das Problem der Illusion von Raumtiefe mit Hilfe
der Parallel- und der Vogelperspektive. Oftmals wird der Mittelgrund ausgelassen,
dafür der Vordergrundgegenstand extrem angeschnit-
ten und in Kontrast zum Hintergrund gesetzt. Im Japanholzschnitt werden
die Linien und Flächen schablonenartig hervorgehoben, es
gibt keine körperliche Modellierung. Hintergrundflächen werden
entweder freigelassen oder ornamental ausgeschmückt. Die pflanzlichen
Farben (bis 1830) sind außergewöhnlich reizvoll, die späteren
Anilinfarben bestechen häufig durch ihre gewagte Kombinationsvielfalt.
Anhand von ca. 130 Exponaten läßt sich die Entwicklung der
Drucke erkennen. Angefangen mit frühen Blättern vom Ende des
17. Jahr-
hunderts, über Arbeiten aus der Blütezeit (Anfang 19. Jahrhundert)
bis hin zu Blättern vom Beginn des 20. Jahrhunderts von einigen
Künstlern, die versuchten die alte Tradition des Holzschnittes aufrecht
zu erhalten.
[Bilder
& Rahmengalerie Wolfgang Schindel · Herrenstrasse 54 ·
79098 Freiburg · Tel. 0761/751369]
Dômo
arigatô gozaimasu ...
...
unseren herzlichen Dank an Herrn Wolfgang Schindel für seinen Einführungsvortrag
zur Ausstellung und die geduldige Beantwortung
all unserer Fragen rund um das Thema des »Ukiyo-e«.
Tief beindruckt von der Vielzahl und der Schönheit dieser Werke bot
sich uns
im Anschluss bei unserem gemeinsamen Abendessen ausreichend Gesprächsstoff
zur faszinierenden Welt der japanischen Farbholz-
schnitte.
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Buchempfehlung
Allen Interessenten, die sich gerne näher
mit dem Thema Ukiyo-e befassen möch-
ten, wollen wir die Neuauflage des Buch-
es von Gabriele Fahr-Becker empfehlen.
Diese Neuauflage ist im September 2007
erschienen. Obwohl der Buchtitel etwas
anderes vermuten läßt ... es ist in deut-
scher Sprache verfaßt!
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Infofaltblatt
Zum Nachlesen der Erläute-
rungen von Wolfgang Schin-
del steht hier
der Download
des Ausstellungsflyers zur
Verfügung.
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»Wir
leben nur für den Augenblick, in dem wir die Pracht des Mondlichts,
des Schnees, der Kirschblüten und
bunten Ahornblätter bewundern. Wir genießen den Tag, vom Wein
erhitzt, ohne uns von der Armut, die uns
ins Gesicht starrt, ernüchtern zu lassen. In diesem Dahintreiben
- gleich einem Kürbis, den die Strömung des
Flusses fortträgt - lassen wir uns keinen Augenblick entmutigen.
Das ist es, was man die fließende, vergäng-
liche Welt nennt.«
Asai
Ryoi - »Erzählungen aus der flüchtigen Welt des Vergnügens«
· Kyotô 1661
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